I. Intro
Ich könnte diesen Aufsatz mit einem Klischee beginnen. Könnte erzählen, wie ich Ende der Neunziger an einem kühlen Spätsommerabend mit Freunden durch ein uckermärkisches Dorf spazierte. Wie wir keine Ahnung hatten. Wie drei Autos hielten — vor uns, hinter uns, neben uns. Vier Glatzen pro Auto. Fluchtweg abgeschnitten. Ich könnte beschreiben, wie sich ein feuchter Straßengraben anfühlt, in dem man liegt und hofft, dass es gleich vorbei ist.
Aber das hier ist nicht so ein Aufsatz. Die Geschichte ist wahr, alles genau so passiert, klar. Nur: Zu erzählen, wie schlimm die Baseballschlägerjahre waren und dass es heute eigentlich auch nicht besser, sondern schlimmer ist — das wäre dann die übliche Verfallsgeschichte des Ostens. Hat man tausendmal gelesen, entspricht den Sehgewohnheiten, schreibt sich locker runter. Ich will es mir nicht so einfach machen. Ich will tiefer bohren.
Warum? Weil es sonst keiner macht. Und weil es, verdammt noch mal, langsam an der Zeit ist, mit den üblichen Geschichten aufzuräumen.
Die kurze Geschichte und warum sie zu kurz greift
Ostdeutschland hat eine rechtsradikale Hegemonie. Da müssen wir nicht um den heißen Brei herumreden. Die AfD ist längst die dominierende politische Kraft, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie noch in diesem Jahr ihren ersten Ministerpräsidenten stellt, ist hoch.
Nach dieser Wahl werden sich die Medien überschlagen. Sie werden den Ossi pathologisieren, dieses unbekannte Wesen: keine Ahnung von Demokratie, das Erbe zweier Diktaturen in der DNA, was soll man machen. Andere werden den ganz großen Bogen spannen und feststellen, dass in dieser Gegend ja schon 1933 die NSDAP gewählt wurde — als bestimme die Topographie der Landschaft das Wahlverhalten. In den sozialen Netzwerken werden die Gutmeinenden aus den Szenekiezen verkünden, wie schade das alles sei: die tolle Natur, die restaurierten Altstädte. Aber Urlaub, nein, Urlaub könne man dort jetzt wirklich nicht mehr machen.
So isser eben, der Ossi.
Und dann sitzen wir wieder da und fragen uns, was eigentlich abgeht. Ist der Ossi von Natur aus rechts? Ich halte das für Quatsch. Ich glaube auch nicht, dass es die Luft zwischen Erzgebirge und Ostseeküste ist, die den Menschen die Demokratie verleidet.
Der Grund ist ein anderer. Er ist so offensichtlich, dass ich mich frage, weshalb er im öffentlichen Diskurs faktisch keine Rolle spielt. Die These: Nicht die Ossis wählen rechts, sondern die Menschen in Ostdeutschland.
Klingt tautologisch, ist es aber nicht. Es ist nicht die Sozialisierung, die den Ossi zum Nazi macht. Es ist die Zugehörigkeit zu den neuen „Klassen“, die der Soziologe David Goodhart als Anywheres und Somewheres bezeichnet hat: die Mobilen, meist gut Ausgebildeten auf der einen Seite, die Immobilen, häufig geringer Qualifizierten auf der anderen.
Schaue ich mir meinen Freundeskreis aus Jugendtagen an, ist der Befund eindeutig: Wer von denen mal eine Universität von innen gesehen hat, lebt heute in einer westdeutschen Großstadt, irgendwo im Ausland oder zumindest in einem der ostdeutschen Leuchttürme — Jena, Leipzig, Potsdam. Alles Ossis. Keinem von denen würde im Traum einfallen, AfD zu wählen.
Und damit sind wir beim Kern. Dem Osten sind die Demokraten abhandengekommen. Übrig geblieben ist eine Sozialstruktur, die für die Verheißungen des Rechtsradikalismus extrem empfänglich ist. Diese Entwicklung hat schon in den Jugendtagen unserer Großeltern begonnen. Dass wir bis heute nichts dagegen getan haben, ist nichts Geringeres als ein kollektives Versagen unserer gesamten Gesellschaft. Im Osten wie im Westen.
Also, gehen wir rein.
II. Die lange Geschichte: Brain Drain seit 1949
Die erste Welle: Republikflucht 1949–1961
Um die AfD-Wahlerfolge in Ostdeutschland zu verstehen, muss man weiter zurück als bis zur Parteigründung 2013. Weiter zurück als bis zur Wiedervereinigung 1990. Weiter zurück sogar als bis zum Mauerbau 1961. Man muss an den Anfang gehen: an die Gründung der DDR im Oktober 1949 und an die Frage, was danach mit den Menschen passierte, die dort lebten.
Die Antwort, in Zahlen, ist erschütternd. Zwischen Staatsgründung und Mauerbau am 13. August 1961 verließen rund 2,7 Millionen Menschen die DDR in Richtung Westen. Allein 1953, im Jahr des Volksaufstands vom 17. Juni, flohen 331.000 Menschen — eine Viertelmillion in einem einzigen Jahr. Eine Abstimmung mit den Füßen, sagte man später. Und es war eine Abstimmung, die nicht zufällig verlief.
Die Flüchtlinge waren nicht repräsentativ für die DDR-Bevölkerung. Sie waren jünger, besser ausgebildet, beruflich qualifizierter als der Durchschnitt. Etwa die Hälfte war jünger als 25. Der Soziologe Rainer Geißler hat geschätzt, dass die DDR in den 1950er Jahren rund ein Drittel ihrer Akademiker verlor — ein Aderlass, der in der Geschichte moderner Industriegesellschaften kaum eine Parallele hat. Die Stiftung Berliner Mauer spricht davon, dass die DDR zwischen 1949 und 1989 insgesamt rund ein Sechstel ihrer Bevölkerung an die Bundesrepublik verlor. Die Bevölkerung sank von 19,1 auf 16,4 Millionen.
Das Bemerkenswerte: Wir wissen über die Zusammensetzung dieser Abwanderung sehr genau Bescheid — und zwar ausgerechnet dank des Überwachungsstaats, der sie zu verhindern suchte. Das Ministerium für Staatssicherheit führte akribische Statistiken über die Republikflucht, aufgeschlüsselt nach „Klassenzugehörigkeit“, Berufsgruppen, Parteizugehörigkeit, Altersstruktur. Diese Statistiken, heute im Stasi-Unterlagen-Archiv zugänglich, lesen sich wie ein Protokoll des intellektuellen Ausblutens.
Nehmen wir 1958, für das besonders detaillierte MfS-Berichte vorliegen. Die Zahlen zeigen eine dramatische Steigerung gegenüber dem Vorjahr: 1957 wurden 425 Ärzte republikflüchtig, 1958 waren es 1.269 — plus 298 Prozent. Bei Lehrern stieg die Zahl von 1.796 auf 2.611, bei Ingenieuren von 683 auf 1.324, bei Wissenschaftlern von 58 auf 235 — plus 405 Prozent. Am dramatischsten bei Oberschülern: von 246 auf 3.107, eine Verzwölffachung. Das MfS selbst bewertete die Abwanderung der Intelligenz als „besonders schwerwiegend“ — angesichts dieser Zahlen eher eine Untertreibung.
Ein MfS-Bericht von 1965 liefert eine weitere aufschlussreiche Beobachtung: Der Anteil der technischen und kaufmännischen Intelligenz, der Wissenschaftler und Fachkräfte war bei den gelungenen Republikfluchten höher als bei den verhinderten. Die Qualifizierteren waren also nicht nur fluchtbereiter, sondern auch erfolgreicher. Die Flucht selektierte doppelt: Erst entschied die Bildung über die Bereitschaft zu gehen, dann über die Fähigkeit, es zu schaffen.
Kumuliert bis zum Mauerbau: Unter den knapp 2,7 Millionen Geflüchteten waren etwa 3.400 Ärzte, rund 170.000 Lehrer und ca. 17.000 Ingenieure. Zahlen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. 3.400 Ärzte — die gesamte Ärzteschaft einer mittleren Großstadt. 170.000 Lehrer — mehr, als heute im gesamten Land Brandenburg unterrichten. Diese Menschen gingen nicht ins Ausland. Sie gingen in ein anderes Deutschland. Aber für die DDR und die Regionen, die sie verließen, war der Effekt derselbe wie bei einer Emigration: Sie kamen nicht wieder.
Der Mauerbau war, so zynisch das klingt, eine rationale Reaktion auf ein existenzielles Problem. Die DDR stand vor der Wahl, entweder die Abwanderung zu stoppen oder als Staat zu kollabieren. Walter Ulbricht hatte die sowjetische Führung jahrelang gedrängt, Berlin abzuriegeln. Dass die Lösung in einer der brutalsten Grenzanlagen der Geschichte bestand, ändert nichts an der Diagnose: Die DDR verblutete intellektuell, und die Mauer war der Druckverband.
Die erzwungene Pause: 1961–1989
Die Mauer stoppte den Massenexodus, aber sie heilte nichts. Zwischen 1962 und 1988 verließen trotz geschlossener Grenzen rund 625.000 Menschen die DDR — über genehmigte Ausreiseanträge, den Freikauf politischer Häftlinge durch die Bundesrepublik, riskante Fluchtversuche. Wieder überproportional viele Qualifizierte. Wissenschaftler, Ingenieure und Künstler nutzten genehmigte Dienstreisen, um nicht zurückzukehren. Die Ausreisebewegung der 1980er Jahre, als über 160.000 offene Anträge vorlagen, wurde zum schwierigsten innenpolitischen Problem der SED.
Die eigentliche Frage aber ist nicht, wer noch ging, sondern was mit denen passierte, die blieben. Die DDR stand nach dem Mauerbau vor der Aufgabe, den Verlust eines Drittels ihrer Akademiker zu kompensieren. Sie tat es nicht — jedenfalls nicht im Sinne einer breiten Akademisierung. Der Zugang zur Erweiterten Oberschule, der einzige reguläre Weg zum Abitur, wurde auf unter 15 Prozent eines Jahrgangs beschränkt. Die DDR bildete gezielt und bedarfsorientiert aus, nicht breit. Wer keinen Studienplatz bekam, wurde auf Facharbeiterausbildungen verwiesen — qualitativ oft hochwertig, aber eben keine akademische Bildung.
Das Ergebnis: eine Gesellschaft mit international beachtlichem Niveau beruflicher Qualifikation, aber vergleichsweise niedrigem Akademikeranteil. Die soziale Ausdünnung der 1950er Jahre wurde nicht korrigiert, sondern durch die Bildungspolitik der SED strukturell verfestigt. Die Mauer hielt die Menschen im Land, aber sie machte die Gesellschaft nicht akademischer.
Parallel setzte ein Alterungsprozess ein, den das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2026 erstmals langfristig dokumentiert hat. Die Daten zeigen: Die Alterung in Ostdeutschland begann nicht erst nach der Wiedervereinigung, sondern bereits in den 1960er Jahren — und schritt schneller voran als im Westen. Die Abwanderung der Jungen vor dem Mauerbau, der Geburtenrückgang der 1970er Jahre, die eingeschränkte Zuwanderung: Die DDR-Gesellschaft alterte hinter der Mauer kontinuierlich. Ein Prozess, den die Wiedervereinigung nicht stoppte, sondern beschleunigte.
Die zweite Welle: Nach der Wende 1990–2006
Als die Mauer fiel, setzte sich ein Mechanismus wieder in Gang, der drei Jahrzehnte lang unterdrückt, aber nie beseitigt worden war. Zwischen 1990 und 2006 verließen erneut rund drei Millionen Menschen die neuen Bundesländer in Richtung Westen. Wieder hoch selektiv, wie Andrea Schultz in ihrer DFG-geförderten Studie an der Universität Halle-Wittenberg dokumentiert hat: überproportional jung (zwischen 18 und 30), überproportional gut ausgebildet, überproportional weiblich.
Die Geschlechterdimension dieser zweiten Welle verdient besondere Beachtung. In der öffentlichen Debatte wird sie gern übersehen. Die BiB-Studie „Jung, weiblich, geht“ von Stedtfeld und Kühntopf (2012) hat die Abwanderung junger Frauen zwischen 18 und 24 auf Kreisebene untersucht und ein Ausmaß dokumentiert, das demografisch beispiellos ist. In manchen ländlichen Kreisen sank das Geschlechterverhältnis in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen auf unter 80 Frauen pro 100 Männer. In einzelnen Regionen sogar unter 70 zu 100.
Johannes Stauder vom Max-Weber-Institut für Soziologie in Heidelberg hat diesen Befund 2018 weiter differenziert. Seine Analyse auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels zeigt, dass die höhere Netto-Abwanderungsrate von Frauen nicht primär darauf zurückzuführen ist, dass mehr Frauen als Männer Ostdeutschland verließen. Der entscheidende Faktor: Es zogen deutlich weniger westdeutsche Frauen nach Ostdeutschland. Die Ost-West-Migration war bei Frauen unter 25 weiblich dominiert, bei Männern zwischen 25 und 49 eher männlich. Im Ergebnis aber entstand ein massives Geschlechterungleichgewicht, das den ländlichen Osten demographisch und sozial transformierte.
Die Folgen gehen über reine Demographie hinaus. Steffen Kröhnert und Reiner Klingholz haben 2007 in ihrer Studie „Not am Mann“ für das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung dokumentiert, wie der Frauenmangel in ostdeutschen Regionen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen bei den verbleibenden jungen Männern, höherer Arbeitslosigkeit und — das ist für unsere These zentral — radikaleren politischen Einstellungen korreliert. Die Abwanderung selektierte also nicht nur nach Bildung, sondern auch nach Geschlecht. Beide Selektionsmechanismen verstärkten sich gegenseitig.
Die Motive der Abgehenden waren nicht grundsätzlich verschieden von denen der 1950er Jahre: bessere Berufschancen, höhere Einkommen, Zugang zu Ausbildungs- und Studienplätzen. Geändert hatten sich die Rahmenbedingungen. Während die Republikflüchtlinge der 1950er Jahre einem repressiven System entflohen, gingen die Abwanderer der 1990er aus einer Region, die einen beispiellosen wirtschaftlichen Zusammenbruch erlebte. Die Deindustrialisierung der neuen Bundesländer vernichtete Millionen Arbeitsplätze — oft genau jene qualifizierten Tätigkeiten, die Hochschulabsolventen und Fachkräfte hätten halten können. Wer blieb, fand sich nicht selten in einer Situation wieder, in der die eigene Berufsbiographie entwertet war und keine Perspektive auf Besserung bestand.
Die Rückwanderung — es gab sie durchaus — konnte den Verlust bei weitem nicht kompensieren. Michaela Fuchs und Antje Weyh haben 2016 für das ifo-Institut und das IAB die Muster der Rückwanderung analysiert. Ihre Befunde: Rückkehrer kehrten tendenziell in urbane Zentren zurück — Leipzig, Dresden, Jena, Potsdam —, nicht in die ländlichen Regionen, die sie verlassen hatten. Die Rückwanderung milderte den Brain Drain in den ohnehin besser gestellten Städten, während sie die strukturschwachen Gebiete, die am stärksten verloren, kaum erreichte.
Der schleichende Dauerverlust: 2006 bis heute
Um 2006 verebbte die große Abwanderungswelle. Die Wanderungsbilanz zwischen Ost und West stabilisierte sich, seit etwa 2017 ist sie annähernd ausgeglichen. Manche Beobachter sprachen von einer Trendwende, einer Normalisierung der innerdeutschen Migration. Der Befund ist irreführend. Er verdeckt, was unter der Oberfläche weiter passiert.
Der Mechanismus hat sich verändert, aber er ist nicht verschwunden. Was heute stattfindet, ist kein Massenexodus mehr, sondern ein stiller, stetiger Abfluss. Jeder Abiturjahrgang in der brandenburgischen Provinz, in der Uckermark, im Erzgebirge, in der Altmark ist eine Demonstration dieses Mechanismus. Die Jugendlichen machen ihr Abitur — und gehen. Nach Berlin, Hamburg, München, Leipzig. Zum Studium, zur Ausbildung, für den ersten Job. Die wenigsten kehren zurück.
Die Zahlen belegen, was jeder Lehrer an einer ostdeutschen Schule aus eigener Anschauung kennt. Der Zuwachs der Akademikerquote unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag zwischen 2018 und 2021 in den ostdeutschen Flächenländern bei 0,8 Prozentpunkten — in den westdeutschen bei 1,9. Mehr als doppelt so hoch. Unter den 100 Kreisen mit dem stärksten Anstieg der Akademikerquote finden sich fast ausschließlich westdeutsche Städte. Die wenigen ostdeutschen Ausnahmen sind die üblichen Verdächtigen: Berlin, Potsdam, Jena, Leipzig — Universitätsstädte mit eigener Anziehungskraft, eher Inseln in einem Meer der Entakademisierung als Beleg für eine Trendumkehr.
Das Institut der deutschen Wirtschaft hat 2023 in einer Studie zum Fachkräftemangel in Ostdeutschland festgestellt, dass die ostdeutschen Flächenländer besonders stark vom demographischen Wandel betroffen sind und einen signifikant höheren Zuwanderungsbedarf haben als westdeutsche Regionen. Eine aktuelle Untersuchung des IW von 2024 (KOFA Kompakt 6/2024) zeigt zugleich: Fachkräfteengpässe in Ost und West erreichen zwar ähnliche Ausmaße, erfordern aber unterschiedliche Lösungsansätze. Im Osten fehlt schlicht die Basis an qualifizierten Arbeitskräften, die im Westen über Jahrzehnte gewachsen ist. Die ostdeutsche Lücke ist keine konjunkturelle Schwankung. Sie ist ein strukturelles Defizit, das direkt auf die jahrzehntelange Abwanderung zurückgeht.
Eine Meldung vom April 2026 bringt das Problem auf den Punkt: Zugewanderte Fachkräfte meiden die ostdeutschen Flächenländer. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, sprach in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit einer „Kultur der Offenheit“. Bemerkenswerter Befund: Nicht nur die einheimischen Qualifizierten gehen, auch die internationalen Fachkräfte, die den Verlust kompensieren könnten, kommen erst gar nicht. Der Brain Drain wird durch einen ausbleibenden Brain Gain perpetuiert.
Was bedeutet das in der Summe? Man muss die Zahlen zusammenlegen, um das Ausmaß zu begreifen. 1949 bis 1961: rund 2,7 Millionen Abwanderer, überproportional jung und qualifiziert, ein Drittel der Akademiker verloren. 1962 bis 1988: weitere 625.000, trotz Mauer. 1989/90: eine dritte Welle von rund 880.000. 1990 bis 2006: noch einmal drei Millionen, wieder selektiv. Und seither: ein steter Abfluss, Jahrgang für Jahrgang. Ostdeutschland hat — von den Sonderfällen der großen Städte abgesehen — über sieben Jahrzehnte hinweg seine jungen, mobilen, gebildeten Menschen verloren. Mit einer erzwungenen Pause durch die Mauer, die ihrerseits die Bildungsstruktur nicht korrigierte, sondern zementierte.
Die DDR hat einen beträchtlichen Teil ihrer Intelligenz verloren, bevor die Mauer stand. Sie hat in der Mauerzeit keine breite Akademisierung betrieben. Und nach der Wende setzte sich der gleiche selektive Mechanismus wieder in Gang, nun verstärkt durch eine geschlechtsspezifische Komponente, die den ländlichen Osten zusätzlich aushöhlte. Das Ergebnis: eine Region, deren Bevölkerungsstruktur sich fundamental von der des Westens unterscheidet. Nicht weil die Menschen dort anders denken, sondern weil es andere Menschen sind, die dort leben. Die kosmopolitische, akademisch geprägte Mittelschicht, die in westdeutschen Städten den kulturellen und politischen Ton angibt, ist im ländlichen Ostdeutschland schlicht nicht in derselben Stärke vorhanden. Sie ist weggegangen. Über Jahrzehnte, in Wellen und im stillen Strom, aber immer selektiv.
Das ist die Vorgeschichte, die man kennen muss, um die politische Gegenwart Ostdeutschlands zu verstehen. Nicht als Entschuldigung, nicht als Determinismus, sondern als strukturelle Erklärung. Denn die Frage, warum in Ostdeutschland so gewählt wird, wie gewählt wird, lässt sich nicht beantworten, ohne vorher die Frage zu stellen, wer dort eigentlich noch wählt.
III. Die These: Entakademisierung und Wahlverhalten
Was die Daten zeigen: Die DIW-Studie 2024
Im Sommer 2024 veröffentlichten Marcel Fratzscher, Alexander Kritikos und Christian Franz im DIW Wochenbericht 30/2024 eine Studie, die in der öffentlichen Debatte erstaunlich wenig Beachtung fand — angesichts ihrer Sprengkraft ein bemerkenswerter Vorgang. Die Autoren hatten die Ergebnisse der Europawahl 2024 mit den Strukturdaten aller 382 Kreise und kreisfreien Städte verknüpft und mittels multivariater Regressionsanalysen untersucht, welche Faktoren den AfD-Stimmenanteil am besten erklären.
Die Ergebnisse sind für Ostdeutschland so klar wie unbequem. Von allen untersuchten Variablen — Einkommen, Arbeitslosigkeit, Ausländeranteil, Industriearbeitsplätze, Bildungsniveau, Altersstruktur — korrelierten in den ostdeutschen Kreisen nur zwei statistisch hoch signifikant mit dem AfD-Ergebnis: Bildungsniveau und Überalterung. Nicht das Einkommen. Nicht die Arbeitslosigkeit. Nicht der Ausländeranteil. In Westdeutschland spielten diese Faktoren durchaus eine Rolle — im Osten nicht. DIW-Präsident Fratzscher kommentierte den Befund mit der Einschätzung, dass Migration als Erklärung für die AfD-Stärke viel zu kurz greife und die Demografie — also die Abwanderung junger, gut ausgebildeter Menschen — für Ostdeutschland der deutlich wichtigere Faktor sei.
Man muss sich einen Moment Zeit nehmen, um die Tragweite dieses Befunds zu erfassen. Die öffentliche Debatte über die AfD-Stärke im Osten dreht sich seit Jahren fast ausschließlich um zwei Erklärungen: die kulturalistische („autoritäre Sozialisation in der DDR, fehlende Demokratieerfahrung“) und die ökonomische („abgehängte Regionen, Transformationsverlierer“). Die Fratzscher-Studie sagt: Beides greift zu kurz. Der entscheidende Faktor ist die Bevölkerungsstruktur selbst. Nicht was die Menschen im Osten erlebt haben, ist der stärkste Prädiktor für das Wahlergebnis, sondern wer die Menschen sind, die dort leben — gemessen an Alter und Bildung.
Die Studie hat einen wichtigen methodischen Vorbehalt, den man transparent benennen muss: Sie arbeitet mit Aggregatdaten auf Kreisebene. Ein Kreis mit niedrigem Bildungsniveau wählt stärker AfD — das heißt nicht zwingend, dass es innerhalb dieses Kreises immer die weniger Gebildeten sind, die AfD wählen. Das ist der klassische ökologische Fehlschluss, und jeder seriöse Umgang mit diesen Daten muss ihn benennen. Allerdings, und das ist entscheidend, schwächt dieser Vorbehalt die strukturelle Argumentation nicht, sondern stärkt sie. Die These lautet ja nicht, dass ungebildete Individuen AfD wählen, sondern dass die Bevölkerungszusammensetzung ganzer Regionen sich so verändert hat, dass der Pool potenzieller AfD-Wähler dort proportional größer ist. Für diese Argumentation sind Aggregatdaten nicht nur zulässig, sondern das angemessene Analyseinstrument.
Die DIW-Studie steht nicht allein. Bereits zur Europawahl 2019 hatte das DIW vergleichbare Befunde publiziert: Die AfD war schon damals in Kreisen mit hoher Abwanderung und verwundbarer Wirtschaftsstruktur besonders stark. Das Muster ist nicht neu, es verfestigt sich seit Jahren. Und das Forum MIDEM an der TU Dresden hat in seiner Analyse der Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen 2024 gezeigt, dass die AfD besonders dort an Zustimmung gewinnt, wo um die Jahrtausendwende hohe Arbeitslosigkeit herrschte — also in genau jenen Regionen, die den stärksten Brain Drain erlebten.
Wer wählt die AfD? Das soziodemographische Profil
Die Kreisdaten des DIW liefern das Makrobild. Das Mikrobild — wer individuell AfD wählt — kommt aus der Wahlforschung, und es fügt sich nahtlos in die strukturelle Argumentation ein.
Die Wahlanalysen von Infratest dimap, der Forschungsgruppe Wahlen und der Böckler-Stiftung zeichnen ein konsistentes Bild. Bei Menschen ohne Abitur liegt der AfD-Anteil bei Bundestagswahlen regelmäßig bei 20 bis 25 Prozent, bei Akademikern bei nur etwa zehn. Die AfD rekrutiert also doppelt so stark aus der nicht-akademischen Bevölkerung. Eine reine „Arbeiterpartei“ ist sie deshalb nicht — Angestellte bilden zahlenmäßig die größte Gruppe unter AfD-Wählern —, aber Arbeiter sind unter ihren Wählern mit rund 22 Prozent fast doppelt so häufig vertreten wie in der Gesamtbevölkerung.
Andreas Hövermann vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung hat in mehreren Studien (2024 und 2025) das Profil der AfD-Anhängerschaft auf Basis der Erwerbspersonenbefragung der Stiftung geschärft. Seine Befunde bestätigen das Bild: AfD-Anhänger sind überdurchschnittlich häufig männlich, mittleren Alters, ohne Abitur und in Ostdeutschland ansässig. Schlechte Arbeitsbedingungen, mangelnde Anerkennung im Job, hohes Institutionenmisstrauen — das sind die begleitenden Faktoren. Hövermann hat zugleich einen wichtigen Trend identifiziert: Die Neuwähler der AfD bei der Bundestagswahl 2025 haben teilweise höhere Bildungsabschlüsse als die Stammwähler. Die Partei expandiert in neue Bildungsschichten — ein Befund, der die These von der reinen Bildungskorrelation relativiert, aber nicht widerlegt, wie ich im Differenzierungsabschnitt zeigen werde.
Der analytisch entscheidende Baustein kommt von der Bertelsmann Stiftung, die 2019 gemeinsam mit dem SINUS-Institut eine Milieu-Analyse der Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg vorgelegt hat. Der Kernsatz verdient es, in Gänze zur Kenntnis genommen zu werden: Die Ostdeutschen wählen nicht anders als die Westdeutschen — es sind die gleichen gesellschaftlichen Milieus, die in beiden Landesteilen ähnlich wählen. Die großen Unterschiede zwischen Ost und West erklären sich dadurch, dass die typischen AfD-Wählermilieus in Ostdeutschland stärker vertreten sind als in Westdeutschland, während die Nicht-AfD-Wählermilieus dort schwächer vertreten sind.
Das ist, auf den Punkt gebracht, die empirische Bestätigung der These dieses Textes. Es gibt keinen ostdeutschen Sonderweg im Sinne einer kategorial anderen politischen Kultur. Es gibt eine andere Milieu-Zusammensetzung, die sich aus der selektiven Abwanderung erklärt. Die gleichen Menschen wählen in Ost und West ähnlich — aber es sind nicht die gleichen Menschen, die in Ost und West leben.
Die Pointe: Es sind nicht „die Ostdeutschen“
Jetzt lassen sich die Befunde zusammenführen. Die Kausalkette hat drei Glieder.
Erstes Glied: Über sieben Jahrzehnte hat Ostdeutschland selektiv seine jungen, gebildeten, mobilen Einwohner verloren — durch Republikflucht, durch Ausreise trotz Mauer, durch Massenabwanderung nach der Wende, durch den stillen Dauerverlust bis heute. Die DDR hat diesen Verlust durch ihre Bildungspolitik nicht kompensiert, die Bundesrepublik nach 1990 ebenfalls nicht.
Zweites Glied: Das Ergebnis ist eine Bevölkerungsstruktur, die sich fundamental vom Westen unterscheidet. Niedrigerer Akademikeranteil, ältere Bevölkerung, in ländlichen Regionen ein Männerüberschuss. Die kosmopolitisch orientierte, akademisch geprägte Mittelschicht, die in westdeutschen Städten eine selbstverständliche Größe ist, fehlt in weiten Teilen Ostdeutschlands oder ist dünn gesät.
Drittes Glied: Bundesweit wählen Menschen ohne Abitur die AfD doppelt so häufig wie Akademiker. Die gleichen Milieus wählen in Ost und West ähnlich — aber die AfD-affinen Milieus sind im Osten proportional stärker vertreten. In den Kreisdaten korrelieren Bildungsniveau und Alterung als einzige Variablen signifikant mit dem AfD-Ergebnis.
Die Schlussfolgerung: Nicht „die Ostdeutschen“ wählen rechts. Die Bevölkerungszusammensetzung Ostdeutschlands hat sich durch den Brain Drain so verändert, dass die soziodemographische Gruppe, aus der die AfD bundesweit ihre Wähler rekrutiert, dort proportional überrepräsentiert ist.
Diese Schlussfolgerung wirft eine Forschungsfrage auf, die meines Wissens bisher nicht systematisch beantwortet wurde: Wie wählen Ostdeutsche, die in den Westen migriert sind? Die Politikwissenschaftlerin Bettina Westle von der Universität Marburg hat in ihrer langjährigen Forschung zu politischen Einstellungen in Ost und West eine Teilantwort geliefert: Ostdeutsche, die nach Westdeutschland migriert sind, liegen bei der Demokratiezufriedenheit zwischen dem ost- und dem westdeutschen Durchschnitt, aber näher am Osten. Allerdings misst Westle Einstellungen, nicht Wahlverhalten. Und Demokratieunzufriedenheit korreliert zwar mit AfD-Wahl, ist aber nicht dasselbe — man kann mit der real existierenden Demokratie unzufrieden sein und trotzdem SPD, Grüne oder Linke wählen.
Die indirekte Evidenz spricht dafür, dass meine anekdotische Beobachtung — Ostdeutsche im Westen wählen unterdurchschnittlich oft AfD — zutrifft. Dreht man das Sinus-Milieu-Argument um, ergibt sich diese Hypothese fast logisch zwingend: Wer aus Ostdeutschland in den Westen migriert, gehört überdurchschnittlich häufig zum mobilen, gebildeten, kosmopolitisch orientierten Milieu — also genau zu jenem Milieu, das auch im Osten nicht AfD wählt. Die Migration selektiert die Kosmopoliten heraus, nicht die Traditionalisten. Es wäre also überraschend, wenn die Ost-West-Migranten sich als starke AfD-Wähler erweisen würden.
Der endgültige Beleg steht noch aus. Die Daten dafür existieren im SOEP und im ALLBUS — beide erfassen Geburtsort und Wohnort, sodass sich eine Kohorte „in Ostdeutschland geboren, in Westdeutschland lebend“ konstruieren ließe. Die systematische Auswertung für Wahlverhalten fehlt. Wäre, nebenbei bemerkt, ein hervorragendes Dissertationsthema. Sollte sich die Hypothese bestätigen, wäre es der stärkste denkbare Beleg für die These dieses Textes: Es ist die Selektion, nicht die Region.
IV. Der Teufelskreis
Brain Drain erzeugt die Bedingungen für weiteren Brain Drain
Die bisherige Analyse könnte den Eindruck erwecken, der Brain Drain sei ein abgeschlossener historischer Prozess, dessen Folgen wir heute betrachten wie die Spuren eines Gletschers, der sich vor langer Zeit zurückgezogen hat. Das wäre ein Irrtum. Der Brain Drain ist kein linearer Vorgang mit Anfang und Ende. Er ist ein sich selbst verstärkender Kreislauf, ein Teufelskreis, dessen einzelne Glieder sich gegenseitig antreiben.
Das Grundmuster ist simpel und gerade deshalb so schwer zu durchbrechen. Wenn qualifizierte Menschen eine Region verlassen, sinken die Steuereinnahmen. Mit den Steuereinnahmen schrumpft die öffentliche Daseinsvorsorge: Schulen werden zusammengelegt, Bibliotheken geschlossen, Buslinien eingestellt, Schwimmbäder aufgegeben. Der Rückzug der Infrastruktur macht die Region für junge Familien und Qualifizierte weniger attraktiv. Das verstärkt die Abwanderung. Wer gehen kann, geht. Wer bleibt, findet eine Region vor, die weniger bietet als zuvor.
Parallel schrumpft der Arbeitsmarkt für Qualifizierte. Die ifo-Studie zum ostdeutschen Fachkräftemangel (Arent/Nagl 2010) hat schon vor anderthalb Jahrzehnten prognostiziert, was heute Realität ist: Die demografische Entwicklung führt zu einem Einbruch des Erwerbspersonenpotenzials, der durch Lohnsteigerungen allein nicht zu kompensieren ist. Wenn aber qualifizierte Arbeitsplätze wegfallen oder gar nicht erst entstehen, weil die Fachkräfte fehlen, die sie besetzen könnten, dann fehlt auch der Anreiz für Hochschulabsolventen, in die Region zu kommen oder dorthin zurückzukehren. Die ifo/IAB-Studie von Fuchs und Weyh hat gezeigt: Rückkehrer gehen bevorzugt in die urbanen Zentren, nicht in die ländlichen Räume. Der Teufelskreis trifft die Peripherie am härtesten — jene Gebiete also, die am dringendsten auf Zuwanderung von Qualifizierten angewiesen wären.
Die IW-Studie von 2023 („Fachkräftelücke und Großinvestitionen: Der Osten braucht mehr Zuwanderung“) hat die Dimension beziffert: Die ostdeutschen Flächenländer benötigen signifikant mehr Zuwanderung als westdeutsche Regionen, um ihren Arbeitskräftebedarf zu decken. Gleichzeitig zeigt die Realität, dass zugewanderte Fachkräfte die ostdeutschen Flächenländer meiden. Ein Teufelskreis im Teufelskreis: Die Region braucht Zuwanderung, aber die Bedingungen, die sie bieten kann, reichen nicht aus, um sie anzuziehen.
AfD-Stärke als Beschleuniger
Nun kommt ein Faktor hinzu, der den Teufelskreis in eine Abwärtsspirale transformiert: die politische Entwicklung selbst. Die hohen AfD-Ergebnisse in ostdeutschen Regionen sind nicht nur Symptom des Brain Drains. Sie werden ihrerseits zu einer Ursache weiterer Abwanderung.
Wenn eine Region bei Landtagswahlen 30 oder 35 Prozent für eine Partei stimmt, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, hat das Konsequenzen jenseits der Parlamentsarithmetik. Unternehmen berücksichtigen bei Standortentscheidungen das politische Klima. Fachkräfte — zumal internationale — meiden Gebiete, in denen sie Anfeindungen befürchten müssen. Die Nachricht, dass zugewanderte Fachkräfte die ostdeutschen Flächenländer meiden, ist in diesem Kontext keine Überraschung. Sie ist eine rationale Reaktion.
Auch die Zivilgesellschaft leidet. Vereine, Kultureinrichtungen, Initiativen für Demokratie und Toleranz verlieren Unterstützung, wenn das politische Klima sich verschiebt. Mitarbeiter von Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus, Sozialarbeiter, engagierte Kommunalpolitiker — sie alle berichten von wachsendem Druck, von Anfeindungen, von der Ermüdung, die entsteht, wenn man als Minderheit gegen einen Mehrheitstrend ankämpft. Manche gehen. Und mit jedem, der geht, wird die Stimme derer leiser, die einen Gegenentwurf formulieren könnten. Es ist die bittere Ironie dieses Prozesses: Diejenigen, die am ehesten ein Gegengewicht zur AfD bilden könnten — die Gebildeten, die Kosmopoliten, die zivilgesellschaftlich Engagierten — sind genau jene Gruppe, die am mobilsten ist und am ehesten die Option hat zu gehen.
Die Spirale nach unten
Die Folge dieser Dynamik ist eine fortschreitende Homogenisierung der verbleibenden Bevölkerung. Die Region wird älter, weniger akademisch, weniger divers, weniger urban in ihrer Orientierung. Das Meinungsklima verengt sich — nicht weil die Menschen sich radikalisieren, sondern weil die moderierenden Stimmen schwächer werden. Wer in einer Kleinstadt in der Uckermark oder im Erzgebirge eine abweichende Meinung vertritt — sei es zur Migrationspolitik, zur Klimapolitik oder zur AfD selbst —, fällt stärker auf als in Berlin-Kreuzberg, wird stärker angefeindet und findet weniger Verbündete.
Die politische Repräsentation verschiebt sich entsprechend. Die AfD gewinnt nicht nur Stimmen, sie gewinnt Mandate in Kreistagen, Stadtverordnetenversammlungen, Gemeinderäten. Sie stellt Ortsvorsteher und wirkt an der Vergabe von Vereinsförderungen mit. In manchen Regionen ist sie de facto die Partei, die am besten vor Ort verankert ist — nicht weil ihre Parteistruktur besonders stark wäre, sondern weil die Strukturen der anderen Parteien noch schwächer sind. SPD, Grüne und FDP haben in vielen ostdeutschen Landkreisen kaum noch funktionierende Ortsverbände. Die CDU hält sich besser, kämpft aber auch sie mit Nachwuchsproblemen. Es entsteht ein politisches Vakuum, das die AfD füllt — nicht weil sie so stark ist, sondern weil die anderen so schwach sind.
Das Forum MIDEM hat in seiner Analyse der Landtagswahlen 2024 in Sachsen und Thüringen eine Beobachtung dokumentiert, die diesen Befund untermauert: Die AfD erzielt ihre höchsten Ergebnisse nicht in den größten Städten, sondern in den ländlich geprägten Wahlkreisen. In den urbanen Zentren — Leipzig, Dresden, Erfurt, Jena — sind Grüne und Linke stärker, die AfD schwächer. Es ist die Geographie des Brain Drains, übersetzt in die Geographie des Wahlverhaltens.
Der Thüringen-Monitor 2023, erstellt vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismusforschung an der Universität Jena, fügt eine weitere Facette hinzu: Der Fachkräftemangel selbst wird in Thüringen als eines der drängendsten politischen Probleme wahrgenommen. Die Bevölkerung spürt die Folgen des Brain Drains im Alltag — beim fehlenden Arzt, bei der geschlossenen Schule, beim ausgedünnten Busfahrplan. Aber die politische Antwort, die daraus folgt, ist nicht etwa die Forderung nach Zuwanderung oder Investitionen in Bildung, sondern häufig eine diffuse Wut auf „die da oben“ und eine Hinwendung zu Parteien, die einfache Antworten versprechen. Der Teufelskreis schließt sich: Der Brain Drain erzeugt Probleme, deren politische Verarbeitung den Brain Drain weiter antreibt.
V. Differenzierung: Was die These nicht erklärt
Methodische Vorbehalte
Jede These, die einen komplexen Sachverhalt auf einen zentralen Erklärungsfaktor zuspitzt, muss ihre Grenzen benennen. Nicht als Pflichtübung, sondern weil intellektuelle Ehrlichkeit die Voraussetzung dafür ist, ernst genommen zu werden. Die These von der Entakademisierung als struktureller Erklärung für die AfD-Stärke im Osten hat solche Grenzen, und es wäre unredlich, sie zu verschweigen.
Der wichtigste methodische Vorbehalt betrifft den ökologischen Fehlschluss. Die DIW-Studie arbeitet mit Kreisdaten: Sie zeigt, dass Kreise mit niedrigem Bildungsniveau höhere AfD-Ergebnisse erzielen. Daraus folgt nicht zwingend, dass es innerhalb dieser Kreise die weniger Gebildeten sind, die AfD wählen. Es ist denkbar — und es gibt Hinweise darauf —, dass auch gut ausgebildete Menschen in Kreisen mit niedrigem Bildungsniveau eher AfD wählen als gut ausgebildete Menschen in akademisch geprägten Kreisen. Der Kontexteffekt — die soziale Umgebung beeinflusst das Wahlverhalten unabhängig von der individuellen Bildung — ist in der Wahlforschung gut dokumentiert und dürfte hier eine Rolle spielen. Heißt: Die Bildungsstruktur einer Region wirkt nicht nur über die individuelle Bildung der Wähler, sondern auch über das Milieu, das Meinungsklima, den Grad an Heterogenität in einer Gemeinschaft.
Hinzu kommt der allgemeine Vorbehalt, dass Korrelation nicht Kausalität ist. Bildungsniveau und AfD-Ergebnis hängen zusammen — der Mechanismus, über den dieser Zusammenhang wirkt, ist komplex und vermutlich nicht monokausal. Bildung könnte ein Proxy für andere Faktoren sein: für kosmopolitische Orientierung, für Medienkompetenz, für berufliche Flexibilität, für die Erfahrung mit Diversität, die ein Studium in einer Universitätsstadt mit sich bringt. Die These behauptet nicht, dass Bildung allein das Wahlverhalten determiniert. Sie behauptet, dass die selektive Abwanderung die Bevölkerungsstruktur so verändert hat, dass das AfD-Potenzial proportional größer ist — und dass die Daten diesen Zusammenhang robust stützen.
Was neben dem Brain Drain eine Rolle spielt
Die strukturelle Erklärung ersetzt die anderen Erklärungsansätze nicht. Sie ergänzt sie und ordnet sie ein. Es wäre analytisch falsch, die AfD-Stärke im Osten auf einen einzigen Faktor zu reduzieren. Mehrere Mechanismen wirken parallel und verstärken sich gegenseitig.
Die Transformationserfahrung nach 1990 ist real und wirkt bis heute nach. Millionen von Ostdeutschen erlebten nach der Wiedervereinigung einen Bruch, der weit über den Verlust des Arbeitsplatzes hinausging. Berufsbiographien wurden entwertet, Abschlüsse nicht anerkannt, Betriebe abgewickelt, Lebensleistungen für nichtig erklärt. Wer dreißig Jahre als Ingenieur im VEB gearbeitet hatte und sich plötzlich auf dem Arbeitsamt wiederfand, dem kann man nicht sagen, seine Frustration sei irrational. Diese Erfahrung der Entwertung hat Spuren hinterlassen, die unabhängig vom Bildungsniveau wirken. Der promovierte Physiker, dessen Forschungsinstitut abgewickelt wurde, teilt diese Erfahrung mit dem Facharbeiter, dessen Betrieb geschlossen wurde.
Das Institutionenmisstrauen, das in Ostdeutschland durchgehend höher ist als im Westen, hat ebenfalls eigenständige Wurzeln. Wer in einem Staat aufgewachsen ist, in dem Parteien, Medien und Justiz Instrumente der Herrschaft waren, bringt eine andere Grundhaltung gegenüber diesen Institutionen mit als jemand, der in der alten Bundesrepublik sozialisiert wurde. Das gilt unabhängig vom Bildungsniveau und unabhängig von der Abwanderungsdynamik. Die Forschung von Bettina Westle zeigt, dass Ostdeutsche in der Regel unzufriedener mit der Realität der Demokratie sind als Westdeutsche — und dass sich dieser Unterschied über die Generationen nur langsam abschwächt.
Die fehlende zivilgesellschaftliche Infrastruktur ist ein weiterer eigenständiger Faktor. Westdeutschland verfügt über ein dichtes Netz von Vereinen, Gewerkschaften, Kirchen, Stiftungen und Bürgerinitiativen, die als Sozialisationsinstanzen wirken und demokratische Haltungen stabilisieren. In Ostdeutschland ist dieses Netz dünner — nicht weil die Menschen weniger engagiert wären, sondern weil die DDR unabhängige Zivilgesellschaft systematisch unterdrückt hatte und der Aufbau nach 1990 nur teilweise gelang. Die Kirchen, die in Westdeutschland als konservatives Korrektiv gegen Rechtsextremismus wirken (Kirchenmitglieder wählen deutlich seltener AfD), spielen im weitgehend säkularen Osten diese Rolle kaum.
Schließlich die Schwäche der demokratischen Parteistrukturen vor Ort. SPD, Grüne und FDP haben in vielen ostdeutschen Landkreisen keine funktionierenden Ortsverbände mehr. Es fehlt an Mitgliedern, an ehrenamtlichen Mandatsträgern, an Präsenz. Wer in einem Dorf in der Prignitz nach dem lokalen SPD-Vorsitzenden sucht, wird oft feststellen, dass es keinen gibt. Die CDU hält sich etwas besser, kämpft aber ebenfalls mit dem Nachwuchsproblem. In das Vakuum, das die Volksparteien hinterlassen, tritt die AfD — nicht weil sie besonders gut organisiert wäre, sondern weil sie als einzige Partei überhaupt noch sichtbar präsent ist.
All diese Faktoren sind real. Sie sind relevant. Und sie wirken unabhängig vom Brain Drain. Die These dieses Textes behauptet nicht, dass der Brain Drain die alleinige Ursache der AfD-Stärke ist. Sie behauptet, dass er der am wenigsten beachtete und zugleich der strukturell wirkmächtigste Faktor ist — und dass die anderen Erklärungen in ihrer Reichweite begrenzt bleiben, solange man die veränderte Bevölkerungsstruktur nicht mitdenkt.
Die AfD ist keine reine „Unterschichtpartei“
Ein letzter Differenzierungspunkt betrifft das Bild der AfD-Wählerschaft selbst. Die These von der Entakademisierung könnte zu dem Missverständnis führen, die AfD sei eine Partei der Ungebildeten und Abgehängten. Ist sie nicht.
Der Leipziger Soziologe Holger Lengfeld hat 2018 in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie argumentiert, dass AfD-Wähler aus allen Statuslagen kommen und nicht nur die „kleinen Leute“ sind. Auch Menschen mit durchschnittlichen oder höheren Einkommen sind AfD-affin. Lengfelds Studie bezieht sich auf die Bundestagswahl 2017, als die AfD noch stärker wirtschaftsliberal positioniert war als heute. Neuere Daten zeigen eine deutlichere Bildungskorrelation, aber Lengfelds Grundbefund bleibt relevant: Die AfD ist keine soziologisch homogene Unterschichtpartei.
Auch rund zehn Prozent der Akademiker wählen AfD. In absoluten Zahlen eine beträchtliche Gruppe. Und der WSI-Befund von 2025 zeigt, dass die Partei gerade in höhere Bildungsschichten expandiert. Ihre Neuwähler haben teilweise bessere Abschlüsse als ihre Stammwähler. Das deutet darauf hin, dass die AfD-Affinität nicht ausschließlich mit fehlendem Bildungskapital zu erklären ist, sondern dass auch ideologische Überzeugungen, kulturelle Ressentiments und eine grundsätzliche Unzufriedenheit mit dem politischen System eine Rolle spielen.
Die These muss deshalb präzise formuliert werden: Der Brain Drain erklärt nicht, warum einzelne Menschen AfD wählen. Er erklärt, warum die AfD in Ostdeutschland proportional stärker ist als in Westdeutschland. Er erklärt die Überrepräsentation, nicht die Ursache der Affinität selbst. Die AfD hätte auch ohne Brain Drain Wähler in Ostdeutschland — sie hätte nur weniger davon, weil die Bevölkerungsstruktur eine andere wäre.
VI. Der blinde Fleck: Warum diese Erklärung politisch unbequem ist
Die bequeme Alternative: Kulturalismus
Wenn die strukturelle Erklärung so gut belegt ist — warum spielt sie in der öffentlichen Debatte so gut wie keine Rolle? Die Antwort liegt nicht in der Qualität der Argumente, sondern in ihrer politischen Bequemlichkeit. Genauer: in der Unbequemlichkeit der Konsequenzen.
Die dominierende Erklärung für die AfD-Stärke im Osten ist, grob vereinfacht, eine kulturalistische. Die Ostdeutschen ticken anders. Sie wurden in einem autoritären System sozialisiert. Ihnen fehlt die Demokratieerfahrung. Sie sind anfälliger für einfache Antworten, für Führerfiguren, für das Versprechen von Ordnung und Homogenität. Diese Erklärung hat den unschätzbaren Vorteil, dass sie keine strukturpolitischen Konsequenzen hat. Sie lokalisiert das Problem in den Köpfen der Ostdeutschen — in ihrer Mentalität, ihrer Geschichte, ihrer Sozialisation. Sie erlaubt dem Westen, das Problem dem Osten zuzuschreiben. Sie erlaubt der Politik, die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten, bis die ostdeutsche Gesellschaft sich „normalisiert“ hat. Und sie erlaubt den Kommentatoren, mit einer Mischung aus Kopfschütteln und mildem Bedauern auf die blauen Wahlkarten zu blicken.
Die kulturalistische Erklärung ist nicht falsch — DDR-Sozialisation und Transformationserfahrung spielen durchaus eine Rolle, wie ich im vorherigen Abschnitt ausgeführt habe. Aber sie ist unvollständig, und ihre Unvollständigkeit hat System. Sie übersieht — oder verschweigt — den strukturellen Prozess, der die Bevölkerungszusammensetzung Ostdeutschlands über Jahrzehnte verändert hat. Und sie macht aus einem politischen Versagen ein Mentalitätsproblem.
Was die strukturelle Erklärung impliziert
Wenn man akzeptiert, dass die AfD-Stärke im Osten wesentlich mit dem Brain Drain zusammenhängt, stellt sich unmittelbar die Frage nach der politischen Verantwortung. Diese Frage ist unbequem. Für alle Beteiligten.
Die selektive Abwanderung aus Ostdeutschland ist seit 35 Jahren bekannt. Andrea Schultz hat 2009 ihre DFG-Studie zum Brain Drain publiziert, Klaus Friedrich bereits Anfang der 2000er Jahre am DFG-Projekt zu Ost-West-Migration gearbeitet, der Deutschlandfunk hat 2006 eine Sendung unter dem Titel „Braindrain aus Ostdeutschland“ ausgestrahlt. Die Daten lagen vor. Die Trends waren erkennbar. Und die politische Reaktion war — wenig.
Die Bundesregierungen nach 1990 haben Hunderte Milliarden Euro in den Aufbau Ost investiert, aber der Löwenanteil floss in Infrastruktur. Autobahnen, Gewerbegebiete, Fassadensanierung. Investitionen in Bleibeperspektiven für Qualifizierte — in Hochschulen, Forschungseinrichtungen, kulturelle Infrastruktur, in die Bedingungen also, die junge Akademiker dazu bewegen, in einer Region zu bleiben oder dorthin zurückzukehren — blieben dahinter zurück. Man hat Straßen gebaut, über die die Menschen bequemer wegfahren konnten, statt Gründe zu schaffen, warum sie bleiben sollten.
Marcel Fratzscher hat in seinen Kommentaren zur DIW-Studie immer wieder Zukunftsinvestitionen in strukturschwache Regionen gefordert. Seine Argumentation ist einleuchtend: Wenn Bildungsniveau und Überalterung die entscheidenden Prädiktoren für AfD-Wahlerfolge sind, dann ist die logische politische Antwort eine massive Investition in Bildung und in die Attraktivität dieser Regionen für junge, qualifizierte Menschen. Passiert ist: wenig. Die Forderung verhallt regelmäßig im Nachrichtenrauschen des nächsten Tages.
Unbequem für alle Seiten
Die Unbequemlichkeit der strukturellen Erklärung beschränkt sich nicht auf die Bundespolitik. Sie betrifft alle Seiten.
Für den Westen bedeutet sie, einen unbequemen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Der Brain Drain aus dem Osten war auch ein Brain Gain für den Westen. Die drei Millionen überwiegend jungen, qualifizierten Ostdeutschen, die nach 1990 kamen, haben westdeutsche Arbeitsmärkte belebt, westdeutsche Universitäten gefüllt, westdeutsche Unternehmen mit Fachkräften versorgt. Der westdeutsche Wohlstand der letzten drei Jahrzehnte ist — das wird selten gesagt — auch ein Resultat ostdeutscher Abwanderung. Der Westen hat profitiert, ohne die Kosten zu tragen. Die Kosten — den Infrastrukturverfall, den Demokratieverlust, den Aufstieg der AfD — trägt der Osten.
Für den Osten bedeutet die strukturelle Erklärung, dass die Erzählung vom reinen Opferstatus nicht mehr aufgeht. Ja, die Abwanderung wurde durch politische und ökonomische Rahmenbedingungen angetrieben, die die Ostdeutschen nicht zu verantworten haben. Aber die Frage, warum so wenige zurückkehren, hat auch mit den Bedingungen zu tun, die sie vor Ort vorfinden. Rückkehrer berichten von Milieus, die Rückkehrer nicht immer willkommen heißen. Von einer Skepsis gegenüber denjenigen, die „weggegangen sind und jetzt alles besser wissen wollen“. Von einem sozialen Klima, das Konformität belohnt und Abweichung bestraft. Das ist keine Schuldzuweisung an die Gebliebenen, aber es ist die Anerkennung, dass der Teufelskreis nicht nur von außen angetrieben wird, sondern auch interne Dynamiken hat.
Für die Politik insgesamt stellt sich die Frage, warum Milliarden in Infrastruktur, aber so wenig in Bleibeperspektiven für Qualifizierte geflossen sind. Warum die Ansiedlung von Forschungseinrichtungen im Osten so schleppend vorangeht. Warum die Lehrerbesoldung in Brandenburg und Sachsen-Anhalt jahrelang so niedrig war, dass junge Lehramtsabsolventen lieber nach Berlin oder Bayern gingen. Warum die Bedingungen für Unternehmensgründungen im ländlichen Osten so unattraktiv sind, dass Start-ups sich in Leipzig oder Berlin ansiedeln, aber nicht in Prenzlau oder Annaberg-Buchholz. Jede dieser Fragen führt zu politischem Versagen — nicht zu einem einzelnen spektakulären Fehler, sondern zu einem jahrzehntelangen Muster aus Vernachlässigung, falschen Prioritäten und der stillen Akzeptanz eines Zustands, der als naturwüchsig gilt, es aber nicht ist.
VII. Fazit: Aber hier leben, nein danke
Es schmerzt, dieses Resümee zu ziehen. Aber angesichts der Komplexität des Problems muss man sich vermutlich eingestehen: In der ostdeutschen Provinz werden über kurz oder lang die Lichter ausgehen.
Mich schmerzt das besonders, bin ich doch vor einigen Jahren mit Zuversicht zurückgekehrt nach Märkisch Sibirien. Die Wahrheit ist: Ich mag es hier. Ich mag meine Heimat. Und es tut weh, zu sehen, wie sie stirbt.
Was passieren müsste, wäre eine Kraftanstrengung, die ich der Politik nicht zutraue und zu der sie vermutlich auch immer weniger imstande ist. Die ostdeutsche Provinz braucht nichts weniger als einen Marshallplan: Investitionen in Bildung, Neugründung von Universitäten und Fachhochschulen, Cluster aus Wissenschaft und Wirtschaft, Ansiedlung von Bundesbehörden, Schluss mit der strukturell zu niedrigen Eingruppierung im öffentlichen Dienst, Investitionen in Projekte mit Strahlkraft. Silicon Saxony und Tesla sind ein guter Anfang. Aber am Ende eben auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn alles Weitere ausbleibt.