Über das Schreiben in einer Zeit, in der jeder sendet und wenige noch redigieren — und über das Vergnügen, dazwischen zu stehen.
Es gibt Menschen, die wollten immer schreiben. Und es gibt Menschen, die wollten immer verstehen, warum andere schreiben, was sie schreiben. Ich gehöre entschieden zur zweiten Sorte, was erklärt, wieso dieser Text trotzdem existiert: Irgendwann ist das Verstehen so laut, dass man es besser aufschreibt.
Studiert habe ich das, was man studiert, wenn man sich für die Frage interessiert, wie aus Meinungen Mehrheiten werden — und wie aus Mehrheiten wieder Meinungen. Politikwissenschaft, Geschichte, Wirtschaft: drei Disziplinen, die sich gegenseitig erklären, warum die jeweils anderen zu kurz greifen. Eine produktive Anordnung. Sie hinterlässt das Misstrauen gegen einfache Geschichten und die Zuneigung zu komplizierten Erklärungen, die man trotzdem verständlich aufschreiben kann.
I. Werdegang
Zehn Jahre Agentur, mehrere Lehraufträge, keine Memoiren.
Ich habe zehn Jahre in einer Agentur gearbeitet. Das ist eine Umgebung, in der man lernt, dass jedes Wort ein Argument ist, jedes Bild ein Versprechen und jeder Termin ein Kompromiss zwischen dem, was gesagt werden soll, und dem, was gesagt werden darf. Eine exzellente Schule für alle, die später über politische Rhetorik schreiben wollen. Es ist im Grunde dieselbe Disziplin, nur mit anderem Budget.
Parallel dazu: Erwachsenenbildung und Lehraufträge. Erklären, was man selbst gerade noch verstanden hat — die ehrlichste Form des Unterrichts. Vor einem Raum voller Erwachsener steht, wer bereit ist, Fragen zu beantworten, die im Seminarplan nicht vorgesehen waren. Man lernt dabei mehr als alle anderen.
II. Gegenstand
Woran ich arbeite, wenn niemand zusieht.
Mein Interesse gilt der Sprache als politischem Instrument: wie sich Diskurse verschieben, wie das Overton-Fenster sich öffnet, schließt und wieder öffnet — diesmal in einem anderen Raum. Wie die Neue Rechte Gramsci gelesen hat, bevor viele Linke es getan haben. Wie Parlamentsprotokolle sich lesen, wenn man sie als Literatur behandelt (schlechter als man denkt, aber aufschlussreicher als man fürchtet).
Daraus ist ein Blog geworden. Essayistisch im Ton, pointiert in der Sache, dem Journalismus näher als der Seminararbeit. Die Gegenstände sind ernst; der Tonfall ist es manchmal nicht. Das ist kein Widerspruch, sondern die einzige Möglichkeit, über ernste Dinge so zu schreiben, dass man sie zu Ende liest.
III. Digitales Handwerk
Was auf dem Bildschirm passiert, bleibt auf dem Bildschirm. Meistens.
Ich arbeite digital, und zwar nicht im Sinne von „ich habe ein Smartphone“. Sondern im Sinne davon, dass Schreiben, Publizieren und Verbreiten inzwischen derselbe Arbeitsschritt sind, nur mit verschiedenen Knöpfen. Wer darüber nachdenkt, wie politische Diskurse funktionieren, muss auch darüber nachdenken, auf welchen Plattformen sie stattfinden. Sonst schreibt man über das Theater, während sich das Publikum längst im Foyer aufhält.

Besonders interessiert mich die produktive Reibung zwischen redaktioneller Sorgfalt und plattformischer Geschwindigkeit. Ein Text will Zeit, eine Plattform will Takt. Wer beides zusammenbringen kann, ohne dass das eine das andere ruiniert, ist im Vorteil. Ich versuche, in diesem Vorteil zu wohnen.
Was KI-gestütztes Arbeiten angeht: Ich halte es für eine Technologie, über die man genauso nüchtern sprechen sollte wie über Textverarbeitung oder das Internet. Also: als Werkzeug, das gute Arbeit beschleunigt und mittelmäßige Arbeit sichtbarer macht. Es ersetzt keinen Gedanken, aber es ersetzt gerne den zweiten Satz, und den muss man dann selbst wieder hinzufügen.
IV. Inventar
Eine Liste, damit etwas Ordnung ist.
SCHREIBEN Essayistisch, redaktionell, in Formaten von 300 bis 3.000 Wörtern. Längere auf Nachfrage. Kürzere sowieso.
LEHRE Erwachsenenbildung, Lehraufträge, Workshops. Politische Bildung, Medienkompetenz, Rhetorikanalyse.
PUBLIZISTIK Blog-Konzeption, redaktionelle Strategie, Themenfindung. Von der Überschrift bis zum Verteiler.
PLATTFORM Social-Media-Strategie zwischen Algorithmus und Anstand. Manchmal gleichzeitig.
KI-PRAXIS Prompting, Editing-Workflows, kritischer Einsatz in publizistischen Kontexten.
ANALYSE Politische Rhetorik, Diskursverschiebungen, parlamentarische Provokation. Lieblingsgegenstand: das, was zwischen den Sätzen steht.
V. Interessen
Was außerdem Platz auf dem Schreibtisch findet.
Abseits des engeren Arbeitsgebiets: die Geschichte der politischen Sprache, Wahlsysteme und ihre Eigenheiten, der deutsche Föderalismus als Literaturgattung, Kulturjournalismus im weitesten Sinne, sehr guter Sachbuchtext, sehr schlechter PR-Text (aus beruflichem Interesse), und die Frage, warum Understatement im Deutschen so schwer zu haben ist.
Stilistisch halte ich es mit dem Prinzip, dass ein Gedanke, der es wert ist, gedacht zu werden, es auch wert ist, ordentlich formuliert zu werden. Das klingt altmodisch, ist es aber nicht. Es ist einfach der Unterschied zwischen einem Text und einem Beitrag.