Notizen

Über die Frage, warum Pils immer noch funktioniert

Berlin photographien 1880-1930 Blücherstrasse Eckkneipe Landesarchiv

Es gibt Getränke, die haben einen Moment, und es gibt Getränke, die haben eine Geschichte. Pils gehört in die zweite Kategorie, was paradox ist, denn niemand würde behaupten, Pils sei besonders interessant. Genau das ist sein Trick.

Pils funktioniert, weil es nichts will. Es macht keine Aussage über den Trinkenden, es kommuniziert keine Lebensphase, es behauptet nicht, ein Erlebnis zu sein. Während sich Craft-Brauereien in Geschmacksnoten überbieten, die ohne Tasting-Notes nicht mehr identifizierbar sind, steht Pils einfach da: kühl, bitter, fertig.

Es gibt natürlich gutes und schlechtes Pils, und der Unterschied ist erheblich. Aber selbst das schlechtere ist eine Behauptung von Normalität, die in einer Gegenwart, die zur Selbstinszenierung neigt, fast schon politisch wirkt. Pils trinken heißt: nicht über Pils sprechen müssen.

Was diese Notiz natürlich konterkariert. Aber dazu zwingt einen niemand mehr nach dem ersten Glas.

Titelbild: Berlin photographien 1880-1930 Blücherstrasse Eckkneipe Landesarchiv

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